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Balintgruppen- Coaching- Supervision

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Die Begriffe Balintgruppen, Coaching und Supervision sind in aller Munde, viele von Ihnen haben aus Erzählungen, über die eine oder anderen Methode gehört, einige von Ihnen konnten sie bereits kennen lernen. 

Ich möchte in diesem Newsletter die Begriffe definieren und klären, welche Vorgangsweisen dahinterstehen und unter welchen Voraussetzungen Sie davon profitieren können.

Balintgruppen

Der Arzt Michael Balint hat bereits 1940 eine Methode zur Beziehungsdiagnostik in Kleingruppen entwickelt, die den ÄrztInnen ermöglicht, eine Fallbesprechung mit besonderer Berücksichtigung der Arzt-Patient- Interaktion durchzuführen. Balints Erfahrung war, dass neben der Kenntnis der physischen Beschwerden auch das Wissen über die psychischen und sozialen Probleme des Patienten von großem Nutzen für die weitere Behandlung sein können: „der Arzt als Arznei“.

Supervision

Die Geschichte der Supervision beginnt mit der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit der Einführung von Hilfsinstitutionen im sozialen Kontext. Wohlfahrtseinrichtungen führten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA Supervision als Beratungsleistung für Helfer ein. Aus der ehrenamtlichen Supervision entwickelte sich die „agent- supervision“, die von hauptamtlich tätigen Fachleuten durchgeführt wurde. Und somit begann die Einführung dieser Vorgangsweise in universitären Lehrgängen. Mit Sigmund Freud und der Psychoanalyse wird die ursprünglich caritative Absicht durch psychologische Komponenten erweitert. Ab 1960 wurden die Aufgabenbereiche zuerst auf Gruppen und dann auf die unterschiedlichsten und vielfältigsten Arbeitsfelder, auch auf den interdisziplinären Kontext, ausgedehnt.

Wir unterscheiden 4 Formen der Supervision:

Einzelsupervision: persönliche berufliche Fragen können vertraulich besprochen werden

Team-/Gruppensupervision: Verbesserung der Kooperation, der Kommunikation, Lösung von Konflikten zum Zwecke der Leistungssteigerung

Fallsupervision: Austausch und Reflexion über Klientinnen/PatientInnen in einem fixen oder auch in einem interdisziplinären Team

Organisationssupervision: Klärung von organisatorischen Aufgaben, Kompetenzen, Ressourcenverteilung, also Rollen, Abläufe und Inhalte, Strategien zur Beseitigung unklarer Zustände, zur Verbesserung der Problemlösungskompetenz und Konfliktfähigkeit, zur Förderung des Selbstreflexionsprozesses, zur Bewältigung von Veränderungsprozessen, zur Optimierung der Leistung der MitarbeiterInnen und zur Erhöhung der beruflichen Kompetenz, zur Unterstützung von Teambildungsprozessen, als Beitrag zu einem konstruktiven Arbeitsklima und einem professionellen und respektvollen Umgang mit KlientInnen/PatientInnen.

Supervision führt zu einer besseren Belastungsregulation und zur Prävention von Burnout.

Supervisionen werden im Regelfall ohne Teamleitung/Führungsperson abgehalten, in speziellen Angelegenheiten ist die Anwesenheit der Leitungsperson zur Schaffung von Klarheit und zur Entwicklung von neuen Sichtweisen und Lösungsstrategien empfehlenswert.

Eine sehr umfangreiche Definition stellt die DGSv (Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V.) auf: „Supervision ist ein wissenschaftlich fundiertes, praxisorientiertes und ethisch gebundenes Konzept für personen- und organisationsbezogene Beratung in der Arbeitswelt. Sie ist eine wirksame Beratungsform in Situationen hoher Komplexität, Differenziertheit und dynamischer Veränderungen. In der Supervision werden Fragen, Problemfelder, Konflikte und Fallbeispiele aus dem beruflichen Alltag thematisiert…  Supervision fördert in gemeinsamer Suchbewegung die berufliche Entwicklung und das Lernen von Berufspersonen, Gruppen, Teams, Projekten und Organisationen. Gelegentlich unterstützt Supervision Entscheidungsfindungsprozesse. Supervision ist als Profession gebunden an gesellschaftliche Verantwortung für Bildung, Gesundheit, Grundrechte, Demokratie, Gerechtigkeit, Frieden und nachhaltige Entwicklung. Sie ist einer Ethik verpflichtet, die diesen Werten entspricht.“ (DGSv, Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. Köln)

Coaching

Kurz definiert ist ein Beratungs- und Begleitprozess im beruflichen Kontext, der zeitlich begrenzt und zielorientiert ist. Es wird bei einzelnen Personen, in Gruppen oder in Teams durchgeführt. Basis für einen erfolgreichen Coachingprozess ist die vertrauensvolle Kooperation mit dem Coach, zur Entwicklung von ressourcen- und lösungsorientierten Kompetenzen der KlientInnen, zur Aktivierung der Selbstwahrnehmung und der Selbstreflexion.  Das Ziel der Prozesse sind gemeinsam erarbeitete, an das System angepasste Lösungen.

Der Unterschied zwischen Coaching und Supervision wird trotz möglicher Überschneidungen von der internationalen Lehrbeauftragten und Sachbuchautorin Astrid Schreyögg folgendermaßen definiert:

Die Zielgruppen im Coaching sind Führungskräfte, in der Supervision die MitarbeiterInnen

Die Aufgaben der Führungskräfte ist das Management, die der Geführten die Sachfunktion (z.B. die Patientenbetreuung),

Coaching ist die Methode zur Personalentwicklung, Supervision zur „Personen-Entwicklung“

Coaching fördert die Veränderung von oben, Supervision an der Basis.

Liebe Leserinnen und Leser, das Team des mcb bietet Ihnen Beratung und Coaching im Einzelsetting an. Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie Veränderungen bei sich und in ihrem Team für wichtig und notwendig halten.

Wir möchten außerdem unsere Führungskräfte motivieren, sich bei uns zu melden, damit wir Ihnen Informationen über die verschiedenen Gruppenformate geben und eine maßgeschneiderte, auf Ihre Situation angepasste Beratung und Begleitung anbieten können. mcb@tirol-kliniken.at

Ihr ´mcb Team

Literatur:

Hausinger, B: Der Nutzen von Supervision. Verzeichnis von Evaluationen und wissenschaftlichen Arbeiten. Kassel, 2008

Heuel, G: Supervision - Ein Element der Personalentwicklung. In: Personal, H. 09, 2001

Buer, F: Coaching, Supervision und die vielen anderen Formate. Ein Plädoyer für ein friedliches Zusammenspiel. In: OSC Organisationsberatung - Supervision - Coaching, 2005,

Schreyögg, A: Besonderheiten des Coaching - Unterschiede zur Supervision. In: Pühl, H. (Hrsg.): Handbuch der Supervision 3. Grundlagen, Praxis, Perspektiven. Berlin, 2009