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Die Magie der Maskierung

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Es fühlt sich so einfach an – ein Kostüm auswählen, hineinschlüpfen und für eine kurze Zeit jemand anders sein - lustig, mutig. Einfach mal ein Bösewicht sein. Jemand, der keine Rücksicht nimmt und sich in den Mittelpunkt stellt. Im Karneval können wir ganz offen mit den Möglichkeiten spielen, eine Seite ausleben, die im Alltag nicht im Vordergrund steht oder die wir prinzipiell auch nicht verkörpern wollen.

Und wenn diese Zeit vorbei ist…legen wir diese Seite komplett ab? Das Superheldenkostüm im Job, den Clown zu Hause, die Löwenmutter im Alltag…Nein, ganz oft leben und erleben wir Rollenvielfalt täglich und viele dieser Rollen tragen wir in uns.

Gerade im Berufsleben nehmen wir unsere Rolle sehr ernst, manchmal wirkt es gerade so, als würden wir situationsbedingt eine „Maske“ tragen. Es bestehen dafür viele verschiedene Gründe, sehr oft schützen wir unsere verletzlicheren Seiten um professionelle Distanz und auch Professionalität zu wahren oder um bestimmte Erwartungen zu erfüllen, die mit der Position einhergehen. In manchen Fällen benutzen wir unsere professionelle Maske wie einen gutsitzenden Mantel, in den wir im Bedarfsfall hineinschlüpfen und der uns Sicherheit vermittelt. Wir identifizieren uns mit der jeweiligen beruflichen Rolle und fühlen uns stärker gerüstet für schwierige Gespräche oder auch um kritische Rückmeldungen besser auszuhalten. Dieses Rollenbewusstsein ist sehr wichtig, weil es einen Teil unserer professionellen Haltung repräsentiert, manchmal wirkt es jedoch wie eine Maske. Meistens dann, wenn wir nicht authentisch sind und wir unsere professionelle Seite wie ein Schutzschild benutzen, das die Distanz in den Vordergrund stellt.

Natürlich besteht der Berufsalltag aus vielen Situationen, die genau dieses Rollenbewusstsein und das professionelle Auftreten erfordern, weil es beispielsweise ein Teil von gelebter Führungsverantwortung ist, nicht sich als Person, sondern die Führungsrolle in den Vordergrund zu stellen. Oder auch um unseren jeweiligen beruflichen Auftrag bestmöglich zu erfüllen, unabhängig von unseren persönlichen Gefühlen und Befindlichkeiten. Wie immer ist die Balance entscheidend, der Ausgleich zwischen unseren Rollen und der Möglichkeit, diese komplett abzulegen. Momente und Begegnungen mit Menschen, in denen wir ganz offen und ohne Beschönigungen „wir selbst sein können“. In denen wir nicht perfekt sein müssen, in denen wir sagen können: „Heute fällt es mir schwer“, „heute habe ich einen schlechten Tag.“ Und ganz oft reicht das dann schon für eine erste Entlastung. Ständiges Verstellen und „sich maskieren“ kann erschöpfen und den authentischen Ausgleich erschweren.

Ein gesundes Gleichgewicht entsteht sehr oft dann, wenn die Rollen bewusst eingenommen werden, situationsspezifisch und mit Sorgfalt für die Situation und für sich selbst. Vielleicht ist das die eigentliche Kunst - zu wissen, wann die Maske hilft – und wann sie uns davon abhält, authentisch bzw. ganz wir selbst zu sein.

Liebe Leser:innen, wenn Sie dieses Thema anspricht und sie mit uns über Ihre Gedanken und Erlebnisse sprechen wollen, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme. Wir können Ihnen versichern, dass wir uns unserer Rolle sehr bewusst sind. ;-) 

Ihr mcb Team

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Literatur:
Goffman, E. (1959). The Presentation of Self in Everyday Life. Anchor Books.

Brotheridge, C. M., & Lee, R. T. (2003).